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Band lebens- und liebenswert
Headfoto Orgel

9: STUMM-Orgel-Dynastie

Die STUMM-Dynastien „Orgelbau“ und „Hüttenwesen“

Der Schmiedemeister Christian STUMM aus Sulzbach bei Rhaunen war der Begründer zweier bedeutender Familienunternehmen.

Die Orgelbauer-Dynastie STUMM

Christian STUMM jüngster Sohn, einer von sechs Kindern war der berühmte Orgelbauer Johann-Michael STUMM. Er wurde im Jahr 1683 geboren und war weitgereister Schmied und Goldschmied.
Als Geselle begab er sich auf die Wanderschaft und kam bis in die Schweiz und ins Elsaß. Wahrscheinlich machte er in Straßburg Bekanntschaft mit dem Orgelbaumeister Silbermann. Nach seiner Rückkehr ins das kleine Hunsrückdorf Sulzbach richtete er sich eine Werkstatt ein und begann 1715 zunächst damit, alte Orgeln zu erneuern. Auf Reisen zu anderen Orgelbaumeistern lernte er fleißig weiter und schon nach zwei Jahren baute er im Jahr 1717 seine erste eigene Orgel für die Kirche in Kirchberg, die heute leider nicht mehr erhalten ist.

Das zweite Orgelwerk aus dem Jahre 1722 steht in Münstermaifeld. Ein Jahr später lieferte er für die Kirche in Rhaunen eine Orgel mit 13 Registern. Auf dem ganzen Hunsrück war Johann Michael STUMM als „Pfeifenmichel“ bekannt.

Verschiedene Widmungen, die Johann Michael STUMM seinen Instrumenten beifügte, lassen erkennen, dass der Baumeister sein Schaffen und seine Begabung nicht als selbstverständlich betrachtete.

9.1, Orgel Sulzbach
Foto: Stumm-Orgel-Verein

 „Dies Orgel solle Gott allein, zu seinem Lob gewittmet sein. So braucht sie dan in der absicht, dazu sie hier ist aufgericht.(Sulzbacher Orgel) lauten die Inschriften, die der Meister seinen Werken mit auf den Weg gab. Sie zeigen, dass ihr Erbauer seine Begabung als ein Geschenk Gottes verstand und unterstreichen die Demut, die der Meister in Anbetracht seines eigenen Werkes der göttlichen Schöpfung entgegenbrachte.

 


Evangelische Kirche in Sulzbach

9.2 Kirche Sulzbach
Foto: Karl-Heinz Bernhard

Die früheste Erwähnung der Kirche in Sulzbach stammt aus dem Jahr 1325. Der zum Kirchspiel Rhaunen gehörende Ort ist der Stammort der Orgelbauer-Familie STUMM. Die evangelische Kirche ist eine kleine Saalkirche mit mittelalterlichem Chorturm im Osten und einem Schiff aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dessen Holztonnengewölbe kielbogig geformt ist.

Die STUMM-Orgel
9.3 Bleistiftzeichnung Orgel Sulzbach
Foto: Frau Becker

Die Orgel ist das letzte zu Lebzeiten von Johann Michael STUMM erbaute Instrument, das er im Jahr 1746 seiner Heimatkirche schenkte. Das Metallpfeifenwerk, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein Opfer von Requisationsmaßnahmen französischer Revolutionstruppen geworden war, wurde um 1820 generell erneuert. Nach zwischenzeitlicher Renovierung des Werkes durch die Firma Oberlinger erfolgte 1979-81, ähnlich der Orgel zu Rhaunen, eine grundlegende Restaurierung des gesamten Orgelwerkes durch die Firma Johannes Klaus (Bonn).
Für die Besichtigung der Kirche in Sulzbach mit Erläuterungen zur historischen Orgel und zur berühmten Orgelbaudynastie STUMM wenden Sie sich bitte an die Person(en), die aktuell im Schaukasten der Kirchengemeinde vermerkt sind.

9.4, Georg Carl Ernst STUMM

1746 schenkte er seiner Heimatgemeinde Sulzbach eine wunderschöne zweimanualige Orgel mit 23 Registern, die wie ein Schwalbennest über dem Altar hängt.Dies war das letzte Werk von Johann Michael STUMM, der ein Jahr später starb.

9.5, Friedrich Stumm um 1910,

Das war der Beginn einer über sechs Generationen reichenden, meisterhaften Orgelbautradition, die im Verlauf von 190 Jahren (1717 – 1906) rund 400 Orgeln hervorbrachte, von denen die meisten noch heute bei Konzerten und im Gottesdienst gespielt werden.

9.6, Karl Stumm

In der Blütezeit der Orgelbauerfamilie hatte sie 20 Dienstleute beschäftigt. Sie betrieben neben der Orgelbauerei auch noch Landwirtschaft und hatte eine eigene Sägemühle. Die STUMMs waren die wohl reichste Familie in Sulzbach und zählten einige Länderein zu ihrem Besitz. Friedrich STUMM (1846 – 1921) wurde im Dorf auch respektvoll der„STUMME Herr“ genannt.
Wählen Sie hierzu die Einspielungen Nr. 4, 13-16 und 18.


Die STUMM-Orgeln

9.7, Orgel Kirchheimbolanden
Foto: Stumm-Orgel-Verein

Viele Orgeln stammen noch aus der Barockzeit .Die STUMM-Orgeln zeichnen sich durch handwerkliche Gediegenheit, eine wohldurchdachte und harmonische auf den Prospekt (das „Gesicht“ der Orgel) abgestimmte innere Anlage aus. Kennzeichnend für den Klangcharakter dieser STUMM-Orgeln sind einerseits kräftige (manchmal auch „deftige“) am französischen Vorbild orientierte Zungenstimmen (z.B. Trompeten) , andererseits am süddeutschen Orgelbau orientierte Streicherstimmen. Fachleute führen die hohe Qualität und Feinheit der Metallverarbeitung bei den Pfeifen darauf zurück, dass STUMM zunächst Gold- und Silberschmied war. Aber auch die solide Holzverarbeitung sowie die handwerkliche Qualität der STUMM-Orgeln, war von Anfang an bewundernswert.

9.8 STUMM-Orgel Amorbach
Foto: Stumm-Orgel-Verein

Johann Michaels bekannteste Orgel ist wohl die in der evangelischen Pauluskirche zu Kirchheim-bolanden, die sogenannte „Mozartorgel“. Das zweifellos berühmteste und größte Instrument, das je aus einer STUMM´schen Werkstatt hervorgegangen ist und sich bis heute erhalten hat, ist die Orgel der evangelischen Abteikirche zu Amorbach im Odenwald.

Hierzu zählen aber auch viele kleinere Orgeln, die von Orgelkennern nicht weniger geschätzt werden. In der Verbandsgemeinde Rhaunen sind sechs STUMM-Orgeln zu finden: in der evangelischen Pfarrkirche Rhaunen, in der katholischen Pfarrkirche St. Martin Rhaunen, in der evangelischen Pfarrkirche in Stipshausen, in der Evangelischen Pfarrkirche Hottenbach, in der evangelischen Pfarrkirche in Schauren und natürlich in der evangelischen Kirche in Sulzbach. 

Schatten